3 Wochen sind mittlerweile schon wieder vergangen, während ich mich doch nur ganz kurz umgedreht zu haben scheine. Nur einen Augenblick umgedreht, nicht aufgepasst und – schwups – sind 24 Tage an mir vorbeigerauscht. Dabei frage ich mich jedes Mal:
Wie kann denn das sein? Wie kann denn sowas funktionieren? Wie können 24 Tage einfach mal eben vorübergehen?
Geht das jedem so oder bin ich nur einfach ein Sonderling, der verzweifelt mit der Zeit um die Wette rennt?
Viele Fragen und wenig Antworten. Aber ich denke, dass ich nicht die Einzige bin, die sich so vorkommt, als sei ihr jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen. Auf irgendeine Weise rennen wir doch alle mit der Zeit, gehen, laufen, werden gelaufen, gedrängt, rennen um die Wette.
Dabei schleicht sich ein Bild in meinen Kopf. Von einer Welt, die sich dreht und dreht und dreht und immer schneller, eiliger und rapider rotiert, während die Zeit mit ihren flinken Fingern dabei ist, unsere Welt weiter und weiter anzutreiben. Gleichzeitig werden die Menschen getrieben, vom Sog erfasst und weiter getragen und laufen mit. Wir laufen mit. Tag für Tag. Jeder für sich allein und doch gemeinsam. Gemeinsam als Teil eines größeren Systems, das dem menschlichen Bewusstsein nur allzu gern entgleitet. Wir alle haben irgendwo auf dieser Erde unseren Platz und ob mutwillig oder nicht, werden unsere Leben alle zu Zahnrädern unendlicher Kleinheit, die sich um sich selbst drehen und dadurch wieder andere, größere Räder anschieben. So wird das Uhrwerk unserer Zeit am Laufen gehalten.
Indes frage ich mich:
Wo bleibt dabei der Mensch? Wo in dieser rauschenden, mächtigen Welt bleibt dabei der Mensch? Oder sollte ich besser fragen: die Menschlichkeit? die Natürlichkeit?
Ganz klar: ein Mensch an sich, als einzelnes Individuum ist klein. Aber die Menschheit zusammen unheimlich groß und wir erfinden, kreieren, bauen, schaffen Gegensätze, die immer mächtiger werden, wachsen. Wachsende Bevölkerung und Städte, wachsende Politik, wachsende Wirtschaft und Schulden, wachsender Leistungsdruck und Verpflichtungen, wachsende Bäuche und Unzufriedenheit, wachsende Revolution, ... und während das Wachsende zunehmend mächtiger wird und dem Schwächeren den Raum zum atmen raubt, bleibt schließlich unklar, ob die Erde in den Himmel wächst oder unter ihrer Last aus dem Gleichgewicht kreiselt.
Letztlich diskutieren wir Probleme, die keine sein müssten, rennen von A nach B, um dies und jenes mitzunehmen, zu erfahren und zu erlernen. Been there, done that.
Wenn man sich jedoch einfach mal einen Augenblick umdreht, sich Zeit nimmt und aus dem Alltagstaumel heraustritt, dann kann man Wundervolles erfahren. 2 Minuten vor dem Supermarkt, die ich mir nehme, um der dort bettelnden Frau ein Hörnchen zu schenken und ihr ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder die Zeit, die ich aufbringe, den Caffè gemeinsam mit dem Heimbewohner zu trinken, um zuzuhören und zu verstehen ... oder einen Moment, indem ich mal neue Wege nach Hause suche und dabei auf im Herbstlicht erstrahlende Ahornalleen treffe und Natur genieße. All diese kleinen Dinge kreieren das kunterbunte Mosaik des Lebens, für das es sich zu leben lohnt und das besonders mir Freude verschafft.
So wollte ich heute keinen detailgetreuen Bericht über meine Erlebnisse der vergangenen Zeit erstatten, sondern viel lieber meine Gedanken mit euch teilen. Es gibt so unglaublich viel, was ich tagtäglich erlebe. Mein ganzes Leben hier ist ein einziges Abenteuer, ein Auf und Ab der Gefühle, Eindrücke und Staunen, weshalb ich abends oft hundemüde in mein Bett falle. Häufig fällt es mir leider schwer, mir die Zeit zu nehmen, um hier Neuigkeiten zu erzählen. Aber mein Leben ist natürlich auch nicht nur „Friede-Freude“ und „Heiter-Sonnenschein“. Es gibt gewiss auch Momente der Resignation und Traurigkeit.
Aber als ich mir heute an einem dieser verregneten, grauen Samstage, die ich über alles liebe, die Zeit zum Spazieren gehen nahm, habe ich wieder so viele wundervolle Dinge und Orte entdeckt. Bin auf einer Brücke über einem großen, steinreichen Fluss, den ich zuvor noch nie gesehen hatte, verweilt, habe mich ans schmiedeeiserne Geländer gelehnt und der Natur Aug’ und Ohr geschenkt. Das Plätschern des Flusses, das dumpfe Tropfen des Regens, der beim Zusammentreffen mit dem Gewässer tanzende Kreise malt ... das Zwitschern der Vögel, die sich in den kargen Baumwipfeln verirrt haben ... der Aprikosenbaum, der sich stolz neben den grauen Wohnhäusern der Stadt behauptet und reich Früchte trägt ... das sich auf dem Asphalt entfaltende, farbenreiche Blätterkleid, das mir einen modrigen Waldgeruch in die Nase zaubert und die frische Luft, durch die ich mich ungemein lebendig fühle... Alles grandiose Facetten, die mein Herz springen lassen. Ich muss lachen, erst ganz sanft und leise in mir drin, dann immer kräftiger und als mir fast Tränen aus den Augen treten, weil dieses Gefühl so überwältigend ist, merke ich:
Das ist Glück.
Das ist Glück.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen