Sonntag, 18. März 2012

Von Neapel über Mailand nach Verona und zurück


Sonnenbaden in Torre del Greco
Zeit für Carnevale!
Europäische Freiwillige tanzen türkische Tänze
Der Tag kommt. Der Tag geht. Zeit vergeht, viel zu schnell. Ich, mittendrin, versuche jede Sekunde auszukosten. Seit ein paar Tagen hat sich nun der Winter verabschiedet und macht Platz für den Frühling in seiner vollen Pracht. Wenn ich nun anstatt in dicken Parka und Wollschal gepackt mit einer leichten Sommerjacke und Tuch das Haus verlasse und durch die gepflasterten Altstadtgässchen schlendere, kann ich den sich leise erweckenden Frühling spüren. Die Eisdielen rollen ihre Rollläden wieder nach oben. Man sieht fröhliche Pärchen und Familien durch die Gassen flanieren. Ich sitze auf der Treppe im Hof des Obdachlosenheims mit einer Tasse Caffè in der Hand, schließe die Augen, lasse mich von den Sonnenstrahlen kitzeln, höre Vögel zwitschern und denke mir:
Ja, genau das ist das Dolce Vita, das ich seit gefühlter Ewigkeit so sehr vermisst habe!

Mit Johanna Milano unsicher machen



Verona

Spezi und Apfelschorle mmmh :)
Benvenuti alla serata tedesca!
Kleine Präsentation über uns und Deutschlan

typisch deutsch: Belegte Brote!





Mittwoch, 8. Februar 2012

Herz auf der Hand. Sonne im Gesicht.

Hermann Hesse  Die Flamme
Ob du tanzen gehst in Tand und Plunder,Ob dein Herz sich wund in Sorgen müht, Täglich neu erfährst du doch das Wunder, Dass des Lebens Flamme in dir glüht.    
Mancher lässt sie lodern und verprassen, Trunken im verzückten Augenblick, Andre geben sorglich und gelassen Kind und Enkeln weiter ihr Geschick.    
Doch verloren sind nur dessen Tage, Den sein Weg durch dumpfe Dämmrung führt, Der sich sättigt in des Tages Plage Und des Lebens Flamme niemals spürt.
                                                                                
 
Wieder sind 2 Wochen vergangen und ich habe mehr oder weniger meinen "alten" Platz im italienischen Alltag wieder eingenommen. Das klingt ein bisschen so, als würde die Zeit stillstehen und sich nichts mehr bewegen. In manchen Augenblicken erscheint mir das auch so, doch meistens rennt mir die Zeit leider immer noch davon. Was die Kurzgeschichte, die ich zuletzt gepostet habe, angeht, muss ich zugeben, dass ich das Mit-der-Zeit-Hand-in-Hand-Gehen leider noch nicht geschafft habe, obwohl ich an mir arbeite und es schon besser geworden ist. Ich mache mir weniger Stress und sage nun auch öfter mal Nein, wenn Körper und Geist Ruhe benötigen. Trotzdem will ich stets viel zu viel machen und 1000 Dinge lernen, ausprobieren, Orte bereisen, Projekte verwirklichen, mich selbstfinden. An dieser Einstellung scheitere ich, denke ich, auch, weil sie das eigentliche Problem ist. Ein Tag hat eben nur 24 Stunden. Punkt. Und alles kommt zu seiner Zeit. Deshalb versuche ich jetzt weniger zu verzweifeln, gelassener zu sein und dem Ratschlag einer guten Freundin zu folgen, die mir neulich sagte: "Vivi il momento! E basta!"
So geht es eben mit meinen Gefühlen und Gedanken hinab und wieder hinauf, weshalb ich diesen Auslandsaufenthalt auch als sehr intensive Zeit empfinde. Irgendwie werde ich aber gerade auch das Gefühl nicht los, als würden sich meine Posts letztendlich immer um die gleichen Probleme drehen.
Für meine verbleibenden zweieinhalb Monate im wundervollen, facettenreichen Italien stehen auf jeden Fall noch einige Dinge an, die realisiert werden sollen. Nächste Woche fange ich an in der "Sambar", der Bar meine Organisation Samarcanda, zu arbeiten, da mich die Arbeit im Jugendinfozentrum eindeutig unterfordert hat. Lieber schuffte ich ordentlich als "barrista", als vor gähnender Langeweile in meinen Träumen zu versinken. Man möge sich jetzt fragen, warum sich das erst nach 5 Monaten geändert hat? Nun, wir sind in Italien! Dieses Wochenende hatte ich ursprünglich geplant mit einer Freundin, die auch EFD in Norditalien macht, nach Firenze zu fahren, was wir wegen dem stürmischen Schneechaos abgesagt haben. So kann ich mich auch endlich mal wieder dem Kreativeln widmen und meinen unheimlich verkrampften Schulter- und Nackenmuskeln mit Yoga den Kampf ansagen. Außerdem möchte ich mit ein paar Freundinnen hier in Schio raus in die Natur und einen richtig langen Schneespaziergang machen, da Schio auch ein bisschen weiß ist. Mit Schnee, Minusgraden und frostigem Winterwind hätte ich mir Italien nie vorgestellt und doch hat es seinen Reiz. 
Da ich vergangenen Freitag ja wieder mal ein Jahr älter wurde, habe ich am Wochenende auch ausgiebig gefeiert, mit meinen italienischen Freunden selbstgebackenen Bananenkuchen verspeist und mit den anderen Freiwilligen meiner Coordinating Organisation getanzt und Wein getrunken. Ich hatte einen schönen, fröhlichen Tag. Trotzdem fehlen natürlich Familie und Freunde. Das ist, denke ich, unvermeidlich. Und obwohl ich einige Kilometer von Zuhause entfernt bin, haben so viele tolle Menschen an mich gedacht und mich mit ihrer Post sehr berührt. Danke nochmal an euch, meine liebste Familie und liebsten Freunde! Ihr baut mich auf, stärkt mich immer wieder und zaubert mir Sonne in mein Herz. Ich habe euch furchtbar schrecklich lieb! :)

Donnerstag, 26. Januar 2012

Solange du an das Leben glaubst.

Ja, ich lebe noch. 
Auch wenn mein Blog die letzten Wochen in totenstiller Tristesse vor sich hinweilte, gibt es mich noch! Mensch, ich habe schon seit mehr als eineinhalb Monaten nichts mehr hier gepostet und ich könnte natürlich sagen: „Es war einfach zu viel los.“. Aber das wäre einfach zu einfach. Nun ist es gewiss nicht gelogen, das ich sowohl viel erlebt als auch gelebt habe und ich hätte sicherlich auch das ein oder andere Mal hier wieder etwas von mir hören lassen können. Ich habe meiner freien Zeit aber andere Schwerpunkte gesetzt, da ich diese packende Lust etwas aufzuschreiben und festzuhalten, sei es hier, in meinem Tagebuch oder sonst wo, nicht verspürte. Um keinen Roman zu veröffentlichen, lasse ich lieber Bilder sprechen, die im Großen und Ganzen das festhalten, was im Dezember und auch im Januar so passiert ist.
Es war eine bunte, aufregende Zeit. Ich bin viel gereist, habe interessante Unterhaltungen geführt, viele neue Menschen, Sichtweisen und Motivationen kennen gelernt und Schio ist mehr und mehr Heimat geworden. Ich fühle mich hier wohl, habe eine ausgefüllte Woche und finde, dass ich mich im Bezug auf mein Projekt, die Umgebung und Menschen um mich herum, sehr glücklich schätzen kann. Was mir in meinem Freiwilligendienst immer wieder bewusst wird, ist das Gefühl, ständig dazulernen zu können.
In stillen Momenten meiner Unsicherheit wurde aus diesem „Können“ in meinem Kopf aber manchmal ein „Müssen“... soviel Wissen, Erfahren und Erleben können, eine Chance, die ständig genutzt werden kann oder soll... schließlich der Gedanke an in nicht allzu ferner Zukunft eine Entscheidung über meine Berufswahl zu treffen und doch-so-wenig-wissen, dieses schiere Kopfzerbrechen, stundenlange Im-Netz-Surfen und trotzdem-nicht-schlauer-sein – das hat meine Gefühle in letzter Zeit Achterbahn fahren lassen und mich letztendlich zu sehr von dem abgelenkt, was momentan zählt: Mein Freiwilligendienst. 
Deshalb habe ich mit ins neue Jahr genommen: Konzentration auf das Hier&Jetzt. Denn wer weiß, was in den kommenden Monaten geschieht, was mir in meinem von Gedanken manchmal überquillenden Kopf vielleicht noch an Lichtchen aufgeht und ob sich die ganze Entscheidungsplagerei am Ende von selbst erübrigt? Von Bedeutung ist, der in Lichtgeschwindigkeit verfliegenden Zeit nicht erfolglos hinterher zu hetzen, sondern mit ihr auf Augenhöhe zu gehen. Kleine Schritte tun, die von Tag zu Tag und Woche zu Woche größer werden können und Dinge heute verwirklichen, anstatt morgen davon zu träumen.
So habe ich auch schon eine Hand voll Dinge auf meiner imaginären „Gute-Vorsätze-für’s-neue-Jahr-Liste“ in Gedanken abhaken können, auf der unter anderem „häufigeres Bloggen“ steht.
Mal sehen, inwiefern ich’s schaffe, 2012 ein wenig mehr von mir hören zu lassen... ;-)


 Hier noch eine schöne Geschichte, die mich ein bisschen zurechtgerückt hat... 
Danke Mama, für dieses wundervolle, weise Buch!
„Solange du an das Leben glaubst“

(aus dem Buch „Jeder Tag ist dein Tag – Weisheitsgeschichten vom Leben und Lieben“ von Hans Kruppa)


„Warum sind so viele Menschen unglücklich?“ fragte eine junge Frau den Meister. „Das kann viele Gründe haben“, entgegnete er. „Einer der häufigsten liegt darin, dass sie nicht so leben, wie sie leben sollten. Jeder Mensch ist einzigartig und hat einen einzigartigen Lebensweg. Doch wenn er diesen Weg nicht geht, sondern aus Unsicherheit, Angst oder Bequemlichkeit in die Fussstapfen anderer tritt, wird er unglücklich. Unglück ist oft nur ein anderes Wort für das Verfehlen des eigenen Lebenssinnes. Sei so, wie du gemeint bist, lass dich nicht verbiegen, bleib deiner Seele treu – und das Glück wird dein Freund sein!“
„Woran erkennt man glückliche und unglückliche Menschen? Viele verbergen ihr Unglück aus Scham und manche verstecken ihr Glück, um es vor Neid und Missgunst zu schützen“, sagte die junge Frau.
„Man kann sie leicht voneinander unterscheiden“, antwortete der Meister. „Unglückliche fordern, Glückliche schenken. Unglückliche wollen besitzen, Glückliche möchten lieben. Unglückliche wollen bestimmen, Glückliche lassen dem Leben seinen Lauf. Unglückliche wollen Sicherheit, Glückliche suchen das Leben. Unglückliche laufen der Zeit hinterher, Glückliche gehen mit ihr Hand in Hand.“
Die Besucherin nickte lächelnd. „Warum habe ich das Gefühl, dass das Leben selbst durch deinen Mund zu mir spricht?“ 

Der Meister zuckte mit den Achseln. „Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich nie den Glauben an das Leben verloren habe, obwohl ich gute Gründe dafür gehabt hätte. Vielleicht, weil ich das Leben immer geliebt habe, trotz aller Schicksalsschläge, die ich hinnehmen musste. Und wer muss sie nicht hinnehmen? Jeder Mensch wird vom Leben geschlagen, manchmal auch getreten, aber er darf nie vergessen, dass er auch vom Leben umarmt und geküsst wurde – oder noch werden kann. Solange du an das Leben glaubst, ist alles möglich.“