Am besten beginne ich mal mit dem Wochenende, das im Großen und Ganzen sehr schön war. Wie die restliche Woche war auch der letzte Samstag eher ruhig und es scheint fast so, als hätte der Regen, der schon seit Tagen fleißig aus der grauen Wolkenschicht herabprasselt, uns Menschen hinter die dicken, wetterfesten Hauswände vergrault. Das Ganze lässt so eine Stimmung aufkommen, die mich doch sehr an zuhause und das verregnete Deutschland erinnert. War wohl eher nichts mit dem sonnenreichen Süden. So habe ich mir hier auch schon des Öfteren zu Ohren kommen lassen, dass Schio sehr verregnet ist, da die Regenwolken an den Bergen hinter Schio haften bleiben, sich dann anhäufen und irgendwann, wenn dann der Druck zu groß ist, ausgequetscht werden, so dass es hier wie aus Eimern schüttet. Was für ein herrliches Bild in meinem Kopf. Mehr oder weniger jedenfalls. So habe schließlich auch ich mich am Samstag ins friedliche, behagliche Heim verkrochen und meine freie Zeit zum Experimentieren mit meiner Kamera und "Kreativeln" genutzt. Habe gelesen, telefoniert, Film geschaut, Espressotassen bemalt und Pfannkuchen mit Zimt & Zucker gebacken. mmmmh : )
Am Sonntagmorgen nach dem Rucksackenpacken ging es dann für mich wieder einmal ab nach Venedig, wo ich seit meinem EFD-Aufenthalt in Italien schon zweimal war. Dort habe ich mich mit einer anderen Freiwilligen, Felicitas, und ihrer österreichischen Freundin Evelyn getroffen, um anschließend ein bisschen im Regen durch Venedig zu schlendern, die wundervollen Häuser, Plätze, Brücken und Kirchen zu bestaunen und ein bisschen in die Ausstellungen der Biennale reinzuschnuppern. Abends bin ich mit Felicitas nach Venezia Mestre, dem Teil von Venedig der sich auf dem Festland befindet, um dort in ihrer Wohnung, wo sie mit einem ungarischen, einer spanischen und einem türkischen Freiwilligen lebt, für uns alle zu kochen. In einer 8-köpfigen Runde haben wir einen kurzweiligen, redseligen, spaßigen Abend verbracht.
Als ich mich dann am Morgen danach Richtung Bahnhof aufmachen wollte, begann jedoch das Dilemma. Denn mein Geldbeutel samt Ausweis, Kreditkarte und einer guten Summe an Geld war spurlos verschwunden. Das Rucksack- und Taschenausleeren und detektivmäßige Durchsuchen der Wohnung hat leider nur dazu geführt, einzusehen, dass mir wohl jemand mein Portemonnaie GESTOHLEN hat. Welch' grandioses Gefühl. Natürlich habe ich dann gleich meine Karte sperren lassen und diverse Telefonate getätigt, was sich jedoch dank blankem Handyguthaben und schwachem Akku etwas schwierig gestaltete, denn wenn's einen trifft, dann gewiss auch richtig. So habe ich als es endlich mit geborgtem Geld nach Hause gehen sollte, dann auch noch feststellen müssen, dass das Warten auf den Bus zum Bahnhof, vergeblich war, da dieser dank Busstreik nicht fuhr. Also ging es zu Fuß im Regen zum Bahnhof. Zuhauseangekommen schlicht und einfach nur noch absolute Müdigkeit.
Als wäre der gestrige Tag nicht seltsam und verhängnisvoll genug gewesen, wurden mir heute morgen, als ich wegen einer Notfallkreditkarte eine amerikanische Nummer anrufen sollte, gleich nochmal 30 € aus der Tasche - oder eher vom Handy - gezogen. Bei einem etwas unfreundlichen Carabiniere habe ich danach noch den Diebstahl meines Portemonnaies angezeigt.
Da der Tag jedoch noch nicht ausreichend von Tristesse getrübt war, habe ich auf dem Weg zum Kino geschockt anhalten müssen, weil vor meinen Augen an der Ampel ein Lastwagen angefahren kam mit lebenden Hühner an Bord. in Käfigen wie Ware übereinandergestapelt. auf engstem Raum zusammengequetscht. Ohne sich aufrichten oder in irgendeine Richtung bewegen zu können. ohne Plane, so dass sie den kalten Fahrtwind und alles um sie herum wahrnehmen konnten. Es war einfach schrecklich anzusehen. Ich will jetzt aber nicht noch genauer darauf eingehen, da ich sonst vielleicht in belehrendem Vegetarierton weit ausschweife und mein Blog der Endlosigkeit entgegenläuft.
Aber es gibt leider so Vieles in der Welt was schrecklich und grausam ist und an der Frage nach dem Warum könnte ich oft schier endlos verzweifeln.
Deshalb finde ich es wichtig, sich stets eine kleine Portion gesunden Optimismus aufzuheben.
Natürlich könnte ich tagelang in Traurigkeit und schlechter Laune verbittern wegen dem Diebstahl und all den Ärgerlichkeiten.
Doch schließlich denke ich, dass jeder irgendwann einmal vom Schicksal geschnappt wird und es letztendlich immer um Einiges hätte schlimmer kommen können.
Man sollte sich über die kleinen Dinge freuen, die einem geschehen und die einem wieder Licht in die dunkle Zeit zaubern.
So wie das kleine fröhliche Mädchen Maleha, mit dem ich heute im Rahmen der Kinderbetreuung, bei der ich jetzt dienstags helfe, gespielt habe.
Sie kam mir als ich den Nachhauseweg schon angebrochen hatte, nochmal hinterhergerannt um mir zu winken und persönlich "Ciao Francesca" zu sagen.
