Hermann Hesse Die Flamme
Ob du tanzen gehst in Tand und Plunder,Ob dein Herz sich wund in Sorgen müht, Täglich neu erfährst du doch das Wunder, Dass des Lebens Flamme in dir glüht.
Mancher lässt sie lodern und verprassen, Trunken im verzückten Augenblick, Andre geben sorglich und gelassen Kind und Enkeln weiter ihr Geschick.
Doch verloren sind nur dessen Tage, Den sein Weg durch dumpfe Dämmrung führt, Der sich sättigt in des Tages Plage Und des Lebens Flamme niemals spürt.
Wieder sind 2 Wochen vergangen und ich habe mehr oder weniger meinen "alten" Platz im italienischen Alltag wieder eingenommen. Das klingt ein bisschen so, als würde die Zeit stillstehen und sich nichts mehr bewegen. In manchen Augenblicken erscheint mir das auch so, doch meistens rennt mir die Zeit leider immer noch davon. Was die Kurzgeschichte, die ich zuletzt gepostet habe, angeht, muss ich zugeben, dass ich das Mit-der-Zeit-Hand-in-Hand-Gehen leider noch nicht geschafft habe, obwohl ich an mir arbeite und es schon besser geworden ist. Ich mache mir weniger Stress und sage nun auch öfter mal Nein, wenn Körper und Geist Ruhe benötigen. Trotzdem will ich stets viel zu viel machen und 1000 Dinge lernen, ausprobieren, Orte bereisen, Projekte verwirklichen, mich selbstfinden. An dieser Einstellung scheitere ich, denke ich, auch, weil sie das eigentliche Problem ist. Ein Tag hat eben nur 24 Stunden. Punkt. Und alles kommt zu seiner Zeit. Deshalb versuche ich jetzt weniger zu verzweifeln, gelassener zu sein und dem Ratschlag einer guten Freundin zu folgen, die mir neulich sagte: "Vivi il momento! E basta!"
So geht es eben mit meinen Gefühlen und Gedanken hinab und wieder hinauf, weshalb ich diesen Auslandsaufenthalt auch als sehr intensive Zeit empfinde. Irgendwie werde ich aber gerade auch das Gefühl nicht los, als würden sich meine Posts letztendlich immer um die gleichen Probleme drehen.
Für meine verbleibenden zweieinhalb Monate im wundervollen, facettenreichen Italien stehen auf jeden Fall noch einige Dinge an, die realisiert werden sollen. Nächste Woche fange ich an in der "Sambar", der Bar meine Organisation Samarcanda, zu arbeiten, da mich die Arbeit im Jugendinfozentrum eindeutig unterfordert hat. Lieber schuffte ich ordentlich als "barrista", als vor gähnender Langeweile in meinen Träumen zu versinken. Man möge sich jetzt fragen, warum sich das erst nach 5 Monaten geändert hat? Nun, wir sind in Italien! Dieses Wochenende hatte ich ursprünglich geplant mit einer Freundin, die auch EFD in Norditalien macht, nach Firenze zu fahren, was wir wegen dem stürmischen Schneechaos abgesagt haben. So kann ich mich auch endlich mal wieder dem Kreativeln widmen und meinen unheimlich verkrampften Schulter- und Nackenmuskeln mit Yoga den Kampf ansagen. Außerdem möchte ich mit ein paar Freundinnen hier in Schio raus in die Natur und einen richtig langen Schneespaziergang machen, da Schio auch ein bisschen weiß ist. Mit Schnee, Minusgraden und frostigem Winterwind hätte ich mir Italien nie vorgestellt und doch hat es seinen Reiz.
Da ich vergangenen Freitag ja wieder mal ein Jahr älter wurde, habe ich am Wochenende auch ausgiebig gefeiert, mit meinen italienischen Freunden selbstgebackenen Bananenkuchen verspeist und mit den anderen Freiwilligen meiner Coordinating Organisation getanzt und Wein getrunken. Ich hatte einen schönen, fröhlichen Tag. Trotzdem fehlen natürlich Familie und Freunde. Das ist, denke ich, unvermeidlich. Und obwohl ich einige Kilometer von Zuhause entfernt bin, haben so viele tolle Menschen an mich gedacht und mich mit ihrer Post sehr berührt. Danke nochmal an euch, meine liebste Familie und liebsten Freunde! Ihr baut mich auf, stärkt mich immer wieder und zaubert mir Sonne in mein Herz. Ich habe euch furchtbar schrecklich lieb! :)

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